Alles hat seinen Sinn


Aufgrund persönlicher Erfahrungen habe ich lernen können, warum der Ausdruck "Alles hat seinen Sinn" für alle möglichen Situationen und Ereignisse zutreffend ist. Anhand eines persönlichen Beispiels beleuchte ich dieses komplexe Thema und zeige eine von sicherlich vielen Möglichkeiten auf, Situationen zu reflektieren. Hierdurch findet man inneren Frieden und letztlich zu sich selbst.


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Es kann schwer sein, Ereignisse und Situationen im Leben so zu akzeptieren, wie sie sind. Dies trifft insbesondere für jene zu, in denen wir uns ungerecht behandelt oder verletzt fühlen. Schwierig daher, weil oft das Verständnis  für ein Ereignis oder das Verhalten einer anderen Person fehlt. Häufig stellen wir uns dann beispielhaft die folgenden Aussagen:

  • Warum trifft es mich?
  • Wieso hat der / die Andere sich erlaubt, dass und dies zu sagen oder zu tun?
  • Das darf / macht man nicht...
  • Hätte der andere mal ..., dann wäre das jetzt nicht so...
  • Der andere hat mich verletzt...
  • Das ist unverschämt..., das lasse ich mir nicht bieten...

Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus kann ich folgendes berichten: In solchen Situationen fühlte ich mich meist ungerecht behandelt und empfand mich selbst im Recht. Die oben aufgelisteten Aussagen stellte ich mir selbst und auf der Suche nach Antworten lies ich die Situationen immer wieder "vor dem geistigen Auge" abspielen. Aus meiner Sichtweise heraus beruteilte und verurteilte ich daher das Verhalten anderer Menschen mir gegenüber; Argumente gab es immer.

 

Aber genau an dieser Stelle möchte ich ansetzen:

 

Situationen sind komplexer, als wir erfassen können. Der Verstand kann eine Situation nicht vollständig begreifen bzw. verstehen, warum wir bestimmte Situationen erleben. Allein schon das Verständnis, warum eine andere Person uns gegenüber so reagierte wie sie es tat, können wir ohne ein offenes und wertfreies Gespräch mit dieser Person niemals erhalten. Meist kann ein Verhalten uns gegenüber nur vermutet oder anhand der Situation interpretiert werden. Doch wie soll es möglich sein, das Verhalten eines anderen Menschen auf der Grundlage unserer Erfahrungen und daraus resultierend aufgrund unserer eigenen Verhaltensweisen interpretieren zu können? Jeder Mensch ist doch individuell, mit anderen Erfahrungen, Verletzungen, Eigenschaften, usw...

 

In der Bewertung durch den Verstand liegt meist die Annahme, dass die Situation entweder gut oder schlecht ist. Doch die Bewertung in gut bzw. schlecht sind von Variablen wie beispielsweise des Zeitpunktes der Bewertung oder von Umständen / Umgebungsvariablen abhängig. Es besteht die Möglichkeit, die Bewertung in Abhängigkeit der Variablen zu ändern. An einem Beispiel aus meinem Leben möchte die Neubewertung einer Situation schildern:

 

Beruflich war ich in einem vielversprechenden IT-Projekt tätig. Nach und nach begann es zwischen dem Projektteam und der Projektleitung aufgrund völlig verschiedener Ansichten zur weiteren Projektfortsetzung zu kriseln. Aus den verschiedenen Ansichten entwickelte sich ein Konflikt. Schließlich wurde dieser Konflikt auf der persönlichen Ebene ausgetragen. Der Konflikt wurde auch für Außenstehende sehr offensichtlich. Irgendwann war es einfach zu spät und die Situation eskalierte vollständig. Es kam, wie es kommen musste: Das Projektteam verlies das IT-Projekt, suchte sich in anderen Abteilungen neue Aufgaben.  Aus damaliger Sicht war das ein "absoluter Tiefschlag", ich war am Boden. Ich fühlte mich mit meiner Ansicht im Recht und erwartete, dass alle anderen sich meiner Ansicht anschließen müssten (aus meiner Sicht heraus war es ja offensichtlich und logisch). Meine damalige Bewertung der Situation ist sicherlich sehr offensichtlich...

 

Aus dieser Erfahrung lernte ich, dass die Situation gut und schlecht zugleich war und die Bewertung in Abhängigkeit vom Zeitpunkt anders ausfällt. Das Verlassen des Arbeitsbereiches hat mir eine Entwicklung ermöglicht, die ich zum damaligen Zeitpunkt nicht zu erkennen vermochte:

 

Ich begann mich selbst zu hinterfragen bzw. mich selbst zu reflektieren und erkannte schließlich meinen eigenen Anteil an der Situation. Das Gefühl, ein "Opfer" zu sein, wich der Erkenntnis, dass wir alle Täter und Opfer gleichzeitig waren, denn alle Beteiligten erschufen diese Situation gemeinsam. Ich übernahm die Verantwortung für mein Handeln und konnte Frieden mit der Situation schließen. In Selbstreflektion begann ich nach und nach, auch andere Bereiche meines Lebens anzusehen und bewusst zu verändern. Damit war die oben beschriebene Situation die Grundlage bzw. die entscheidende Schlüsselsituation, dass ich mein Leben nachhaltig ändern konnte. Heute sehe ich diese Situation als das Allerbeste an, was mir "passieren" konnte. Mit dieser Situation veränderte ich mein Leben, wurde ausgeglichener, fand inneren Frieden und begab mich auf eine faszinierende Reise zu mir selbst.

 

Diese Erfahrung (Änderung der Bewertung einer Situation durch Änderung der Variablen) konnte ich immer wieder verifizieren, so dass ich für mich folgende Erkenntnis gewonnen habe:

 

Jede als "schlecht" bewertete Situation hat einen "guten" Anteil, manchmal mag es schwierig sein, diesen Anteil  erkennen zu können. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich meine Sichtweise auf Situationen im Leben geändert und bewerte diese nicht mehr wie damals.

 

Denn: Eine Situation ist wie sie ist. Wenn wir die Situationen annehmen, wie sie sind, können wir sehr viel leichter leben und mit diesen umgehen. Das Leben ist Veränderung und es ist nur die Frage, wie wir mit dieser Veränderung umgehen möchten.

 

Wie konnte ich zu dieser Erkenntnis gelangen?

 

Zunächst: Ich habe hierzu kein Patentrezept und kann nur von meinen Erfahrungen berichten. Meine Erfahrung zeigt einen möglichen Weg, es gibt sicherlich noch viele, viele andere. Was man mit dieser Information macht, bleibt jedem selbst überlassen.

 

Bei mir war es hilfreich, sich rückblickend bereits vergangene und aus damaliger Sicht als „schlecht“ bewertete Situationen anzusehen. Ich begann zu überlegen, wozu diese "gut" waren und wechselte bewusst den Blickwinkel.

 

Beispielsweise könnte ein Grund sein: „Aufgrund der damaligen Situation habe ich dann dies und das gemacht und das war gut, weil ich dies und das erfahren konnte.“.

 

Sich vergangene Situationen (insb. jene, die als „schlecht“ bewertet werden) anzusehen (ggf. auch mit externer Hilfe), ermöglicht es, einen anderen Blickwinkel bzw. eine andere Perspektive einnehmen zu können. Aufgrund der positiven Aspekte können wir lernen und uns entwickeln. Wir können feststellen, dass wir keinen Fehler gemacht haben sondern eine sehr wertvolle Erfahrung . Die Erfahrung führte zu einer Entwicklung und damit war die damalige Situation nicht umsonst oder vergebens. Wie bereits geschrieben, veränderte die Situation nachhaltig mein Leben...

Weiterhin ist es möglich, mit diesen Situationen Frieden zu schließen und diese loslassen zu können. Beides zusammen bewirkt eine Heilung in uns. Wir befreien uns somit nach und nach von der Vergangenheit und vielleicht gelingt es, das Geschenk in dieser Situation zu sehen!

 

Frieden mit Situationen zu schließen, ist auf vielfältige Weise möglich. Hierzu gibt es wunderbare Bücher von Eckhart Tolle, Robert Betz, Dain Heer, Eva-Maria Zurhorst, Byron Katie, Robert Schwartz, Colin Tipping und noch viele mehr. In meinem ersten Buch "Der Weg des spirituellen Erwachens" (Link zum Bereich Veröffentlichungen) gibt es ein größeres Kapitel mit weiteren Anregungen und Literaturempfehlungen hierzu.

 

Fazit:

 

Wenn wir aufmerksam durch das Leben gehen, so kann die Welt unser Lehrmeister sein. Wir können erkennen, wo wir hinsehen sollten und können immer mehr im hier und jetzt sein. Alle Menschen um Dich herum handeln in Liebe, um Dich zu heilen. Wenn es schwer ist, dass zu sehen, dann frage Dich, wo Du Verletzungen hast und wo Du dich selbst heilen kannst.

 

Beispielsweise: Wenn jemand anderes sich als Opfer sieht (und es Dir „auf den Geist geht“), dann schaue hin, wo Du Dich (noch) als Opfer siehst!

 

Wie kann ich in einer Situation erkennen, wo ich mich selbst heilen kann?

 

Unsere Gefühle und Emotionen wie beispielsweise Wut, Hass, Trauer, Scham, Schuld und Angst zeigen uns unsere „Verletzungen“ und damit auch den Weg zur Heilung. Jedes Mal, wenn man beispielsweise wütend wird, kann man sich selbst fragen, worauf man selbst wütend ist. Warum funktioniert das so gut? Weil unsere innere Realität unsere äußere Realität erschafft. Alles im Außen ist ein Spiegel unser inneren Realität.

 

Auch unser Körper zeigt uns durch physische Einschränken in liebevoller Art und Weise psychische Themen auf. Hierzu gibt es im Internet Informationen und meinerseits bereits den Blogartikel „Emotionale Bedeutung von Krankheiten“.

 

Letztendlich haben wir viele helfende Indikatoren:

Unseren Körper, unsere Gefühle und die Reaktionen der Menschen um uns herum. Damit können wir Selbstreflexionsprozesse anstoßen und lernen, nicht zu bewerten, im Hier und Jetzt zu leben sowie Mitgefühl und Verständnis für die Sicht und Denkweise anderer Menschen zu entwickeln. Dies führt uns zu uns selbst und auf eine faszinierende Reise nach Hause!

 

Autor: Kurt-Christian Adenau