Sei Du selbst

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Der Begriff „Sei Du selbst“ wird vielfach in der heutigen Zeit zitiert und man glaubt zu wissen, was er bedeutet. Doch wissen wir es wirklich? Wie können wir uns da sicher sein?

 

Zu dieser Aussage gibt es sicherlich viele Ansätze unterschiedlichster Art, ich versuche mal einen Ansatz, bei dem Teilaspekte der Aussage beispielhaft aufführe und diese in Kürze ausführe:

Teilaspekt: Zu sich selbst stehen und nicht auf andere zu hören

Können wir zu uns selbst stehen? Was bedeutet das? In der heutigen Zeit ist das oftmals schwierig, da wir vielen Rollenerwartungen unterliegen: Wie möchten meine Eltern oder Geschwister (…Partner, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, etc.), dass ich mich verhalte? Wie kann ich mich verhalten, ohne andere zu enttäuschen? Das sind Fragen, denen wir uns stellen müssen.

Meine bisherige Erfahrung lehrte mich, dass es oftmals sinnvoll sein kann, andere zu fragen, welche Optionen ich bei einem konkreten Problem oder in einer konkreten Situation habe. Den Rat anderer einzuholen eröffnet einem Optionen, die man selbst vielleicht bisher noch nicht gesehen hat. Vielleicht werden einem Argumente bzw. Vor- und Nachteile aus Sicht des Rat-Gebenden mitgeteilt, welche für einen selbst schlüssig sein können. Vielleicht erhält man dadurch auch genau die Information, welche man just gerade benötigt. Allerdings sollte man sich immer bewusst sein, dass alle Informationen aus der Sicht des Rat-Gebenden geschildert werden, so dass man stets überprüfen sollte, ob diese Argumente mit den eigenen Vorstellungen vereinbar sind oder nicht. Letztendlich sollte jede Entscheidung im Leben aus dem Herzen erfolgen!

Und hier liegt genau der Knackpunkt:

„Sei Du selbst“ kann in diesem Kontext bedeuten, dass man eine Entscheidung trifft, die anderen ugs. „nicht schmeckt“. Warum? Weil man aus Sicht der anderen gesehen eine unbequeme Entscheidung trifft und gerade eben nicht unserer Rollenerwartung entspricht. Zu sich selbst zu stehen, ist daher eine Deutung dieser Aussage. 

 

Wie können wir wirklich glücklich sein, wenn wir Entscheidungen treffen, welche andere für uns „gerne haben möchten“? Wir leben unser Leben, nicht das Leben der anderen. Aus deren Sicht mag vieles schlüssig und logisch erscheinen, vielleicht sogar aus deren Herzen stammen, doch nur wir selbst können entscheiden, ob dies auch unser Herzenswunsch ist.

Vielleicht ist es daher an der Zeit, die Rollenerwartungen von anderen loszulassen, um wieder frei entscheiden zu können. Ein kleiner Aspekt von „wahrer Freiheit“ bedeutet, seinem eigenen Weg zu folgen und jede Entscheidung treffen zu können, die man möchte.

 

Kannst Du Entscheidungen treffen, die aus Deinem Herzen stammen?

Teilaspekt: Sich selbst nicht anlügen oder leugnen

Eine andere Form der Aussage bedeutet, sich nicht selbst zu leugnen. Warum auch immer, verdrängen wir oftmals Impulse unseres Herzens bzw. wir folgen ihm nicht. Vielleicht sehen wir gewisse Probleme, können diese -warum auch immer- aber nicht anpacken und laufen daher vor uns selbst weg. Damit leugnen wir uns selbst. Dem letzten Satz würden viele Menschen sofort zustimmen, doch warum passiert nichts weiter? Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass man sich oftmals scheut, hinzusehen. Vielleicht möchte man sich diesen Themen aus Angst nicht stellen, vielleicht sind viele schmerzhafte Erinnerungen damit verbunden. Der Grund kann vielfältig sein, in Konsequenz möchte sich der Verstand vielleicht davor schützen und ignoriert diese Themen. Doch was nützt es uns, diese Themen zu verdrängen? Was gewinnen wir? Oder verlieren wir vielleicht sogar mehr, als das wir scheinbar gewinnen?

Es ist hinreichend bekannt, dass durch negative Energien (z.B. Stress, unterdrückte Wut) Krankheiten entstehen. Doch bevor Krankheiten entstehen, sendet uns unser Körper Warnsignale. Die Warnsignale des Körpers werden landläufig als Schmerzen wahrgenommen. Doch der Schmerz ist stets „nur“ der Überbringer einer Botschaft und der Körper möchte, dass wir uns die Botschaft ansehen. Ein Beispiel für die emotionale Bedeutung von Krankheiten findet sich hier.

Durch das Verdrängen / Ignorieren von Themen erschaffen wir ein Umfeld, dass unseren Körper irgendwann krank werden lässt, wenn man nichts unternimmt. Dann werden wir Medikamente mit vielen Nebenwirkungen und blockieren damit den Warnruf des Körpers. Oftmals schauen wir „immer noch nicht hin“. Irgendwie erscheint es doch logisch, dass die Botschaft wie ein Bumerang stärker „zurückkommen muss“, oder nicht? Und was machen wir dann? ...

Gewinnen wir wirklich, wenn wir uns diese Themen nicht ansehen?

 

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass das Hinsehen / Anschauen von Themen sehr schmerzhaft sein kann. Doch das Anschauen und Bearbeiten von Themen ist weitaus weniger schmerzhaft als eine schwerwiegende / langwierige Krankheit, insbesondere müssen hier mögliche Beeinträchtigungen berücksichtigt werden.

Schaut man sich die Themen an und reflektiert diese, dann kann der Ursprung eines solchen Themas gefunden werden, seien es Erwartungen anderer, eigene Muster oder Glaubensätze. Die Reflektion ermöglicht den Frieden, dieser kann dann erscheinen, wenn wir uns selbst und den Beteiligten vergeben, Energien bereinigen und immer mehr zu uns selbst finden. Letztendlich können auf diese Weise körperliche Symptome sehr schnell bereinigt werden. Wir sind zufriedener, haben mehr Freude am Leben und durchbrechen die Negativ-Spirale, so dass der Körper immer weniger Botschaften aussenden muss. Beispiele finden sich sehr, sehr viele: Dain Herr, Robert Betz, Eckhart Tolle, Eva-Maria Zurhorst, usw. Eine Auswahl findest Du u.a. auch in meinem Buch "Der Weg des spirituellen Erwachens".

Wir können ein Leben in Freiheit, Liebe und Frieden führen, genau das Leben, was wir von Herzen uns wünschen!

Teilaspekt: Ich-bezogen zu sein, auch wenn es scheinbar andere Menschen schmerzt

„Sei Du selbst“ bedeutet auch, für sich selbst zu sorgen. Meiner bisherigen Erfahrung nach wird „für selbst sorgen“ oder „Ich-bezogen“ häufig negativ dargestellt. Dabei ist es doch wunderbar, für sich selbst zu sorgen (solange man die Freiheit anderer dabei respektiert). Wenn ich etwas nicht möchte, dann habe ich als Mensch das Recht, „nein“ zu sagen. Es ist auch meine Entscheidung (und nur meine!), wie ich mit Situationen umgehe.

 

„Ich-Bezogenheit“ bedeutet in der weiteren Konsequenz, dass man für sein eigenes Handeln die Verantwortung übernimmt. Wie sieht es aus, mit der eigenen Verantwortung? Wann stehe ich zu meiner Entscheidung? Wie oft kommt es vor, zu sagen, aufgrund von etwas Externem handele ich so und so?

 

Sobald wir Externe (Situationen oder Menschen) für unser Handeln verantwortlich machen, geben wir die Macht ab, selbst Verantwortung zu übernehmen. Andere haben dann Macht über uns, da nur andere durch ihr Handeln uns eine „bessere“ Situation bringen können. Dabei kann ich doch in jeder Situation selbst entscheiden, was ich möchte! Es gehört Mut und Stärke dazu, zu sich selbst zu stehen und „Nein“ zu sagen, auch wenn man andere Menschen ggf. „vor den Kopf stößt“ (das wäre u.a. wieder ein Punkt zur Rollenerwartung). Geben wir die Entscheidungsmacht ab, dann werden wir zum Opfer und nehmen diese Rolle an. Es liegt also nur an uns, aus der Opferrolle rauszugehen.

Zu seinen Bedürfnissen, Wünschen und Träumen stehen, seine Meinung vertreten und sich „nicht verbiegen“ lassen, dafür steht nach meiner Erfahrung nach „Ich-Bezogenheit“. Wenn wir uns dessen bewusst sind, haben wir die Freiheit zu entscheiden, was wir wollen. Dies kann auch bedeuten, dass ich mich dafür entscheide, beispielsweise meine Meinung nicht zu verteidigen, Aussagen unkommentiert zu lassen oder die Meinung eines anderen zu akzeptieren.

Teilaspekt: Freundschaften und Beziehungen

Freundschaften und Beziehungen zu anderen Menschen sind wichtig, wir sind soziale Wesen und benötigen den gesellschaftlichen Austausch mit Menschen. Ebenso benötigen wir Zeiten, in denen wir alleine mit uns sind. Beide Seiten sind für den energetischen Ausgleich wichtig. Wenn wir in einer Beziehung oder Freundschaft das Gefühl spüren, dass man „den anderen braucht“, dann begeben wir uns in eine Abhängigkeit. „Der Andere“ kann die Bedürftigkeit nicht befriedigen, auch wenn dies vielleicht zeitweise so gefühlt bzw. wahrgenommen wird.

Irgendwann kommt diese Täuschung ans Tageslicht und wir fühlen sehr deutlich, dass wir uns im Partner dann "getäuscht" haben oder der Zauber plötzlich verflogen ist. Eine Abhängigkeit bedeutet immer, dass wir nicht im Frieden mit uns selbst sind und dies durch Äußeres kompensieren müssen. Wenn wir uns dankbar zeigen, dass wir in einen Spiegel (Partner/in, Freund/in) schauen dürfen, dann können wir diese Abhängigkeit beenden und Frieden mit uns selbst schließen.

Ein anderer Aspekt ist, dass wir uns in Freundschaften und Beziehungen nicht verstellen sollten, denn das wäre ein Teilaspekt ähnlich der Selbstleugnung. Bezogen auf Freundschaften und Beziehungen kann die Aussage „Sei Du selbst“ daher bedeuten, dass wir so sein sollen, wie wir sind: Selbstbewusst (wir sind uns selbst "bewusst"). Menschen werden zu Dir finden, die Dich so mögen, wie Du bist. Alle anderen werden gehen, meine bisherige Erfahrung lehrt mich, diese dann auch ziehen zu lassen...

 

Teilaspekt: Selbstverurteilung

 

Es gibt viele Wege und Möglichkeiten, sich selbst zu verurteilen. Beispielhaft nenne ich die Themen Gewicht, Figur, Aussehen, Körperproportionen, Eigenschaften, Hobbies, Beruf, usw.

 

Die entscheidende Frage ist: Wie können wir uns selbst sein, wenn wir Teile in uns ablehnen? Und wie können uns andere Menschen lieben, wenn wir uns oder Teile von uns ablehnen? Denn Menschen können uns nur dann lieben, wenn wir uns selbst lieben.

 

Oftmals ist es schwierig, zu erkennen, wann und was wir ggf. an uns oder in uns ablehnen. Die Ursachen können vielfältig sein, eine große Bedeutung haben die Konditionierungen (Erziehung durch die Eltern, die Gesellschaft, Freunde und Bekannte bis hin zu eigenen Erfahrungen). Vielleicht sind es aber Themen aus früheren Inkarnationen. In meinem Buch "Der Weg des spirituellen Erwachens" benenne ich Ursachen, welche für mich selbst sehr bedeutsam waren. Grundsätzlich stehen heute viele Möglichkeiten zur Verfügung, diese Ursachen zu ergründen und transformieren zu können.

 

Teilaspekt: Erkenne Deine Göttlichkeit und Deine Potenziale

Die Aussage "Sei Du selbst" bedeutet auch, sein eigenes Wesen und damit auch die eigene Göttlichkeit zu erkennen. Wir sind alle Teil des Göttlichen, jeder von uns spiegelt einen Teilaspekt von Gott / Spirit wieder und wir sind auf der Erde, um unser Potenzial entfalten zu wollen. Wenn wir begreifen, dass wir unsterbliche Seelen mit besonderen Gaben sind, dann können wir diese einsetzen, um die Menschheit zu mehr Frieden, Liebe, Spiritualität und Naturbewusstsein zu führen.

 

Fazit:

„Sei Du selbst“ ist eine sehr komplexe Aussage. Die genannten Teilaspekte sind sicherlich nicht vollständig (das würde ich mir auch nicht anmaßen, alle Teilaspekte zu verstehen), doch diese sind aus meiner Sicht bereits ausreichend, um die Komplexität der Aussage ansatzweise verstehen zu können. Damit erfüllen die aufgeführten Teilaspekt mein anvisiertes Ziel. Es ist natürlich offensichtlich, dass die Teilaspekte miteinander verknüpft sind und die Übergänge zwischen einzelnen Teilaspekten fließend sind.

Wenn man die Aussage „Sei Du selbst“ leben möchte, dann bedeutet diese, dass man eine Reise zu sich selbst unternimmt, herausfindet, wer man wirklich ist und nicht, welcher Rollenerwartungen wir gerade zu entsprechen haben. Die Reise Schritt für Schritt zu gehen, bedeutet, sich Probleme anzusehen, Themen zu reflektieren und aus den gespiegelten Erfahrungen zu lernen. Sie bedeutet, sich selbst zu hinterfragen und aus anderer Sicht oder erweiterter Sicht zu beobachten. Es mag Bereiche geben, mit denen wir nicht mehr zurecht kommen und von denen wir uns trennen, es mag neue Bereich in unserem Leben geben, die sich uns eröffnen. Freundschaften können wegfallen und neue entstehen. Die Reise wird uns dahin führen, wo wir selbst so sind, wie wir das „eigentlich“ von Herzen aus sein möchten. Dieser Weg bzw. diese Reise bedeutet Veränderung. Der Weg mag nicht einfach sein, das wohl, allerdings können wir entlang des Weges wunderschöne und faszinierende Aspekte des menschlichen Seins erleben und genau das erleben, nachdem sich unser Herz sehnt.

Autor: Kurt-Christian Adenau